Familie Bendix

Familie Bendix
Wäschegeschäft und Bruno Bendix 1889

Bruno Bendix (geb. 22. Juni 1863 in Halle/Saale) betrieb einen Verleih und eine Reparaturwerkstatt für Klaviere, und es findet sich in der Sterbeurkunde die Berufsbezeichnung „Musiklehrer“. Das Geschäftslokal war zuerst Breiteweg 63. Wie ein Foto zeigt, handelte es sich um ein zweiteiliges Geschäftslokal: Rechts war das „Pianoforte-Magazin“ Bruno und links führte seine Frau Marianne Bendix ein Miederwaren- und Wäschegeschäft.

Über Marianne Bendix ist *(der Name ist hinter einer Laterne verborgen) Rosenbaum als Eigentümer(in) angeführt. Da Marianne am 23. Januar 1870 als M. Rosenbaum in Hameln geboren war, wird sie das Geschäft gemeinsam mit ihrer Mutter oder einer Schwester geführt oder es übernommen haben. 1923 zeigt ein Briefkopf des „Hofinstrumentenmachers Sr. Hoh. Des Herzogs von Anhalt“ die Adresse Breiteweg überstempelt mit Roonstr. 18. Die „Reparaturwerkstatt für Pianinos, Flügel und Harmoniums“ war umgezogen. Von diesem neuen Geschäftslokal gibt es kein Foto.

1941 starben beide Eheleute kurz nacheinander: Bruno Bendix am 4. März und seine Frau Marianne am 10. März. In den Sterbeurkunden wird bei beiden Verstorbenen „Herzschwäche“ als Todesursache angegeben. 1941 erfasste das Standesamt die Todesfälle ganz regulär, aber seit 1938 dokumentierte das Friedhofsamt die Bestattungen, d.h. die Grabstellen, nicht mehr, so dass nicht nachzuvollziehen ist, wo die Gräber von Bruno und Marianne Bendix auf dem Friedhof Klein-Quenstädter-Straße sind.
Bruno war das erste von acht Kindern von Ephraim (Emil) Bendix (1835 Halle/Saale –1895) und Lina geb.  Simon (1842 Eisleben - 1909 Aschersleben). Über die drei Geschwister, die ihm direkt folgten, sind nur die Lebensdaten bekannt: James (1864 – 1880), Sidonie (Toni) (1866 – 1922) und Ernst (1866 – 1939).
Sein Bruder 1876 geborener Bruder Willy beging im Sommer 1897 Selbstmord. Die Sterbeurkunde weist aus: „Halberstadt, den 17. August 1897 - Auf schriftliche Anzeige der Polizei-Verwaltung hierselbst wird eingetragen, daß der Gärtner Willy Bendix, 21 Jahre [unleserlich]Monate 24 Tage alt, mosaischer Religion, wohnhaft zu Halberstadt, Breiteweg 12, geboren zu Schwanebeck, Sohn des Kaufmanns Emil Bendix, hier verstorben und dessen hier lebende Ehefrau, Lina geborene Simon, am sechzehnten August tausendachthundert-neunzigund sieben, Nachmittags gegen sechs Uhr, in den Klusbergen hierselbst erhängt aufgefunden worden ist.“ Allerdings existiert in Halberstadt für Emil Bendix weder eine Sterbeurkunde noch ein Nachweis über eine Bestattung.

Therese, am 06.04.1872 in Schönebeck geboren, eröffnete 1903 in Aschersleben die „Korsetthandlung“ Am Thie 17. 1907 zogen ihre Schwestern Else, geb. am 13. Oktober 1882 in Halberstadt und Hedwig, geb. am 4. Januar 1885 ebenfalls in Halberstadt, mit ihrer Mutter Lina nach Aschersleben um und übernahmen die „Korsetthandlung“ von Therese. Die Wohnung der drei Frauen befand sich im selben Haus.
Therese hatte sich in diesem Jahr in Bernburg niedergelassen, wo sie wiederum eine Korsetthandlung eröffnete, erst Wilhelmstr. 3, später Lindenstr. 16. In Aschersleben befand sich ab 1909 das „Geschw. Bendix Korsett-Spezialgeschäft“ in der Breiten Str. 9 und die Wohnung Heinrichstr. 1. Lina Bendix starb am 7. August 1909 in Aschersleben und ist dort auf dem jüdischen Friedhof bestattet. Der Grabstein ist erhalten.
Das Geschäft blieb beinahe zwanzig Jahre an demselben Ort. Erst 1928 gab es einen Umzug in die Taubenstr. 4. Hier waren Geschäft und Wohnung wieder in einem Haus. 1937 kursierte in Aschersleben ein Flugblatt, das gegen die jüdischen Kaufleute hetzte. Ein Schreiben der Kreisleitung Quedlinburg-Ballenstedt an die Industrie und Handelskammer aus dem Jahr 1941 teilt die vollzogene Arisierung des Geschäfts Geschw. Bendix mit der Übergabe an Frieda Bunar und Charlotte Krabbe am 10. Oktober 1938 mit. Daraufhin kehrten Else und Hedwig Bendix  nach Halberstadt zurück und lebten in direkter Nachbarschaft ihres Bruders Bruno in der Roonstr. 17. Ihre letzte Adresse in Halberstadt ist Westendorf 34a, das Haus der Familie Hugo Cohn, das als „Judenhaus“ genutzt wurde.
Am 12. April 1942 wurden Else und Hedwig Bendix ins Warschauer Ghetto deportiert. Dort verlieren sich ihre Spuren.
Über das Schicksal von Therese Bendix gibt unterschiedliche Informationen: laut der einen wurde Therese Bendix 1942 von Bernburg nach Theresienstadt deportiert, laut der anderen beging sie in demselben Jahr in Bernburg Selbstmord.