Familie Ebstein

Familie Ebstein

Adolf Ebstein wurde am 20. Juni 1872 in Kreuzburg/Oberschlesien geboren. Wann er nach Halberstadt kam, ist nicht bekannt. Jedoch muss es vor 1895 gewesen sein, da am 25. Januar d. Js. der älteste Sohn Max Ludwig in Halberstadt geboren wurde.
Verheiratet war Adolf Ebstein mit Thekla Löb, die am 7. April 1870 in Gedern bei Büdingen in Hessen geboren war. Ebsteins wohnten Thierschweg 6. Anfang der 1920er Jahre erwarb Adolf Ebstein das ehemalige Hotel „Prinz Eugen“ zur Erweiterung seiner Geschäftsräume.
Als Adolf Ebstein am 24, September 1929 starb, wurde das Geschäft abgewickelt, da keiner der Söhne es übernahm. Ebsteins hatten drei Söhne: Max Ludwig wurde am 25. Januar 1895 in Halberstadt geboren. Er starb am 22. März 1942 in Halberstadt.

Walter Ebstein wurde 1908 in Halberstadt geboren. 1939 emigrierte er nach Australien. In Melbourne betrieb er den Nachtclub "Claridges". Verheiratet war er mit Mary Ellen Chalk aus einer Familie irisch/englischen Ursprungs. 1948 wurden die Zwillinge Mary Louise und Michael geboren. Walter Ebstein starb am 9. November 1966, seine Witwe Mary Ellen 2004.
Michael Ebstein in einem Brief an Werner Hartmann: “During World War I six o'clock closing for hotels was introduced, supposedly as a temporary measure. In fact it was 1966 before Victorian hotels were able to stay open until 10 p.m. Until then 'night life' was severely restricted. Dance halls could stay open late but no alcohol was allowed. Those who hankered for night clubs on the European model had to smuggle their alcohol into the club.
Mary and Walter Ebstein ran Claridges night club on Toorak Road. It was not very big, and laid out with dim lights, mirrors and discreet alcoves. Music was provided by Beryl and Charles White and a piano. The food was good, Claridges stayed open late and guests brought their own alcohol hidden about them somewhere. It became the place to go and thrived until restaurants began to be given licences and could openly serve wine with the food.” (Im Ersten Weltkrieg wurde als Schließzeit für Hotels 18.00 Uhr eingeführt. Was nur als vorübergehende Maßnahme gedacht war, dauerte letztendlich bis 1966. Erst dann konnten Hotels bis 22.00 Uhr geöffnet sein. So war bis dahin „Nachtleben“ nur absolut eingeschränkt möglich. Tanzlokale konnten bis spät geöffnet sein, aber dort war kein Alkohol erlaubt. Die, die vom Nachtleben europäischen Stils träumten, schmuggelten ihren eigenen mitgebrachten Alkohol in die Clubs. Mary und Walter Ebstein hatten den Claridges‘ Nachtclub in der Toorak Street. Der Club war nicht sehr groß. Ausgestattet war er mit gedämpftem Licht, Spiegeln und diskreten Logen. Die Musik machten Beryl and Charles White und ein Klavier. Das Essen war gut, das Claridges war bis spät in die Nacht geöffnet, und die Gäste brachten den Alkohol heimlich mit. Das Claridges‘ wurde „der“ Nachtclub und  florierte bis Restaurants die Lizenz zum legalen Ausschank von Wein bekamen.

Hermann Ebstein wurde am 17. Mai 1901 in Halberstadt geboren. Er absolvierte das Realgymnasium Martineum in Halberstadt und studierte von 1919 - 1926 in Göttingen Jura und Soziologie. Dort gehörte er zum Kreis um Herman Nohl, der aktiv in der Jugendbewegung war und deren pädagogische Konzepte an der Universität Göttingen entwickelte und vermittelte. Nach Abschluss seines Studiums arbeitete Hermann Ebstein für das Archiv des „Vereins für Vormundschaft in Deutschland“. 1929 kehrte er nach Halberstadt zurück, um das Geschäft seines verstorbenen Vaters Adolf Ebstein zu liquidieren. Später fand er aufgrund des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933 keine Anstellung im öffentlichen Dienst. Jedoch blieben Hermann Ebstein und sein Lehrer Herman Nohl eng verbunden, und Ebstein forschte weiter im Bereich der Jugendpädagogik. Die Beziehung zu Hermann Nohl blieb erhalten, auch als Hermann dort Dan Ebstein in Palästina/Israel lebte. Hermann Nohl war 1937 aus dem Universitätsdienst entlassen worden. Nach 1945 setzten ihn die Alliierten wieder in sein Amt ein.
Hermann Ebstein gelang erst 1940 die Emigration. Er gehörte zu den Flüchtlingen, die mit der MS Patria kamen. Als die Hagana das Schiff sprengte, um die Überführung der Passagiere nach Mauritius zu verhindern, starben mehr als 250 Flüchtlinge. Ein Säugling wurde zu seiner Rettung in einen Koffer gesteckt und in diesem ins Meer geworfen, als das Schiff sank. Obwohl Hermann Ebstein nicht schwimmen konnte, gelang es ihm, das Kind zu retten.
In Palästina/Israel lebte Hermann bzw. Dan, wie er sich umbenannte, im Kibbuz Afikim. 1959 heiratete er Agnes Loewenthal, die 1927 in Göttingen geboren war. Hermann und Agnes bekamen eine Tochter, Doron.
1962 nahm sich Hemann Ebstein das Leben. Er beschwerte sich mit Steinen und ertränkte sich im Jordan. Seine Tochter Doron vermutet, er habe die Ereignisse auf der MS Patria nie verwunden.
Dorons älteser Sohn, Itamar Doari, ist ein bekannter Musiker (Percussion) Am 23. November 2012 gab er mit der Formation „Seeded Lights“ in Halberstadt ein Konzert zum Gedenken an den 70. Jahrestag der Deportation seiner Urgroßmutter, Thekla Ebstein.

Thekla Ebstein wurde am 23. November 1942 mit vierzig weiteren Bewohnern des Jüdischen Altersheim an der Wilhelmstraße nach Theresienstadt deportiert. Sterbedatum ist der 2. Dezember 1942.